Worte der 'Wüstenmütter'

Buch über Anachoretinnen des 4. Jahrhunderts erschienen

Rom (kath.net/Zenit.org)
Im Ägypten des 4. Jahrhunderts gab es nicht nur Wüstenväter, sondern auch Wüstenmütter, wie die Schwestern der heiligen Antonios und Pachomios. Auch der heilige Hieronymus schuf einen asketischen Frauenzirkel.

Das geht aus dem in Italien neu erschienenen Buch Meterikon. Worte der Wüstenmütter, von Luciano Coco hervor, das im Mondadori-Verlag erschienen ist.

Darüber berichtet auch der heilige Johannes Chrysostomos: In dieser ganzen Gegend kann man das Heer Christi sehen, die königliche Herde und die Gemeinschaft der himmlischen Tugenden, und zwar nicht nur unter den Männern, sondern auch unter den Frauen. Auch sie geben sich nicht weniger als die Männer dem asketischen Leben hin.

Zu diesen Frauen gehört zum Beispiel die Schwester des heiligen Einsiedlers Antonios des Großen, die einer Frauengemeinschaft angehörte. Aber auch Maria, die Schwester des heiligen Wüstenvaters Pachomios des Großen. Ihr Bruder übertrug ihr die Leitung des Klosters Tabennisi.

In Kappadokien war es die Schwester der beiden großen Mönchsväter und Theologen Basilios des Großen von Caesarea und Gregors von Nyssa, namens Makrina, die als Nonne lebte. Kurz darauf, in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts verbreitete sich dieses Phänomen aufgrund von Reiseberichten, persönlichen Kontakten, Übersetzungen und der entstehenden monastischen Literatur auch im Westen.

Eine herausragende Rolle für das weibliche monastische Leben spielte der heilige Hieronymus. Um ihn herum bildeten sich asketische Zirkel von aristokratischen hochgebildeten Frauen wie die heilige Marcella und die heilige Paula, und zwar zuerst in Rom und dann später in Palästina. Dieses Phänomen hat den christlichen Osten und Westen nachhaltig beeinflusst und inspiriert.

Das neue Buch legt etwa 600 Texte vor, die von Frauen verfasst wurden oder an sie gerichtet waren. Etwa 1204 schuf der byzantinische Mönch Isaias diese Kollektion. Im Prolog heißt es, dass bisher niemand ein so weibliches Buch verfasst hat.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts fand ein russischer Bischof in Jerusalem dieses Meterikon und ließ diese absolute Rarität übersetzen, um es dann in Griechisch und Russisch zu veröffentlichen.

Die heilige Melanie die Jüngere, eine adlige Römerin, führte ein monastisches Leben in einer Villa in der Nähe von Rom, wie dies auch schon ihre gleichnamige Großmutter getan hatte. Sie verkaufte ihr Hab und Gut und gab den Erlös den Armen, zog sich zuerst nach Nola, dann nach Sizilien und später nach Afrika zurück, wo sie den heiligen Augustinus kennen lernte. Daraufhin ging sie nach Ägypten, um dort die Wüstenväter aufzusuchen. In Jerusalem führte sie zunächst ein Einsiedlerleben und gründete später ein Frauenkloster und auch ein Männerkloster. Sie starb 440. ihr Gedenktag ist der 31. Dezember.

Die heilige Pelagia war eine hübsche und berühmte phönizische Schauspielerin. Als sie nach Antiochien kam, bereute sie ihr Leben und floh die Welt. Den Rest ihres Lebens lebte sie sehr asketisch und starb im Jahre 290. Ihr Gedenktag ist der 8. Oktober.

Auch von sehr kuriosen Fällen weiß das Buch zu berichten. Die heilige Theodora zum Beispiel verkleidete sich als Mann, um in ein Kloster einzutreten. Erst nach ihrem Tod fiel dieser Schwindel auf. Berichtet wird auch über jene Matrone, die in Konstantinopel ein berühmtes Kloster gründete, dort als Nonne lebte und ihren Gatten deshalb verließ.

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