Ein Lächeln ....
Menschen geben viel Geld für teure Geschenke aus: Ringe, Ketten, Uhren, Autos.. Es gibt aber auch wertvolle Geschenke, die nichts kosten. Ein Lächeln z.B. ist ein sehr schönes Geschenk. Es kann überraschen und uns ganz tief innen berühren. Das Lächeln eines Kindes. Das Lächeln, das mir zu verstehen gibt: ich mag Dich. Das Lächeln, das ein Verstehen ohne Worte möglich macht, zeugt von Verständnis und Liebe zueinander.
Das Lächeln eines fremden Menschen kann mich auch verunsichern und sicher gibt es auch das Lächeln, das sich über andere erhebt, sie nicht ernst nimmt. Am meisten berührt mich das Lächeln von Schwerkranken und Sterbenden. Wenn bei der Erinnerung an etwas Schönes, wenn bei der Freude über ein Zeichen der Zuwendung ein Lächeln das leidvolle Gesicht überzieht... welch ein kostbarer Augenblick!
Eine Kostbarkeit der Kunst ist der hier abgebildete lächelnde Christus. Wir sind mehr gewohnt, den ernsten, den leidenden Christus, den Schmerzensmann am Kreuz zu sehen. Mich hat der lächelnde Christus angesprochen, irgendwie im Innern berührt. Er ist im Original zu sehen im schweizerischen Ermatingen am Bodensee, gegenüber der Insel Reichenau. Dort steht eine alte Dorfkirche. Vom Schlußstein im Deckengewölbe der Seitenkapelle schaut dieser lächelnde Christus herab.
Wir wissen nicht, was der Steinmetz beim Herausmeißeln des Gesichtes gedacht hat. Er hatte wohl eine tiefe Einsicht in das Wesen Jesu und in das Geschehen am Karfreitag und an Ostern. Der lächelnde Christus ist für mich eine eindrückliche Interpretation und Auslegung des Ostergeschehens. Mit dem Lächeln wird das Leidvolle, das Schmerzliche des Leidens und Todes Jesu, wird das Leid in der Welt nicht verlacht oder gar mißachtet. Es wird vielmehr überwunden, durchbrochen durch die Auferstehung Jesu zu einem Osterlachen. Die Auferstehung hat das Eis des Todes aufgebrochen. Das gibt uns Anlaß zum Freuen, zur Hoffnung, zum Lächeln.
Bis heute kann ein Lächeln das Eis zwischen Menschen brechen. Schenken wir uns doch immer wieder ein Lächeln. Es kostet uns nichts und gibt doch so viel!Liebe Grüße von Ihrem
Pfarrer Richard Genth
Quellenangabe:
www.parksiedlung.evkifil.de/gembrief/gembr1.html
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